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Jan-Peter Homann
HYBRID Software, mit seinem PDF-Editor PACKZ und dem Prepress-Workflow CLOUDFLOW, ist ein bedeutender Akteur in der Produktion von Verpackungen und Etiketten. Als Teil der Hybrid Software Group gehören zu den Schwesterunternehmen Global Graphics (bekannt für seine RIP-Software), Meteor für die Steuerung digitaler Drucksysteme, Xitron Workflow-Systeme und IC3D für virtuelle 3D-Modelle.
Ende 2021 gab die Hybrid Software Group PLC die Übernahme von ColorLogic bekannt, einem spezialisierten Anbieter von Farbmanagement-Software. ColorLogic betreibt einen signifikanten Teil seines Geschäfts mit OEM-Lösungen für Farbmanagement im Digitaldruck und in der Vorstufe und verfügt zudem über eigene Produkte, darunter ColorAnt, CoPrA und ZePrA, die kontinuierlich weiterentwickelt werden. Eineinhalb Jahre nach der Akquisition von ColorLogic werden nun die ersten Früchte der Zusammenarbeit mit HYBRID Software erkennbar.
Die nachfolgende Grafik veranschaulicht eindrucksvoll das Zusammenspiel und die Synergien der genannten Produkte.
Übersicht der Produkte von ColorLogic und HYBRID Software: In ColorAnt werden Messdaten erfasst, Sonderfarben als CxF importiert und alles spektral optimiert. CoPrA berechnet aus den Messdaten Druck- und DeviceLink-Profile nach ICC-Standards. In PACKZ werden primär die Profile aus CoPrA oder Sonderfarben manuell verwendet. ZePrA dient der automatischen Optimierung von PDF-Dateien und kann durch das CLOUDFLOW Colorspace Modul gesteuert werden. RIP-Kurven für CLOUDFLOW können aus ColorAnt importiert werden.
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Die Messung von Fingerprints bildet die Grundlage für das Farbmanagement bei HYBRID Software und ColorLogic. Diese Messdaten werden für die Erstellung von RIP-Kompensationskurven, ICC-Druckprofilen und komplexen Farbtransformationen basierend auf ICC-DeviceLink-Profilen verwendet. Neben dem X-Rite iO3 Messtisch wird eine Vielzahl weiterer Messgeräte unterstützt.
ColorLogic ColorAnt mit MeasureTool
ColorAnt und sein MeasureTool sind ColorLogic-Programme zur Erfassung, Optimierung und Bearbeitung von spektralen Farbdaten. Diese Daten können aus verschiedenen Quellen stammen und für diverse Zwecke aufbereitet werden. Anwendungen für Messdaten aus ColorAnt umfassen die Linearisierung/Kalibrierung von Drucksystemen, die Profilerstellung für Drucksysteme (CMYK + Multicolor), die Erstellung und Optimierung kompletter Sonderfarbenbibliotheken sowie die Übernahme von Spektraldaten aus der Farbrezeptierung.
ColorAnt unterstützt eine große Anzahl von Farbmessgeräten auf dem Markt, einschließlich aller X-Rite-Modelle für die grafische Industrie sowie Lösungen von Techkon, Barbieri und Konica Minolta. Ein integrierter Testchartgenerator adressiert sowohl die Linearisierung von RIP-Kurven als auch die Erstellung von Profilierungscharts. Neben der Erfassung von Messdaten verfügt ColorAnt über ein leistungsfähiges Spektralmodell zur Verarbeitung spektraler Messdaten. Dies ermöglicht beispielsweise den Import von CxF-Daten von Sonderfarben aus Farbrezepten in ColorAnt und deren anschließende Integration in bestehende Messdaten. Somit können einzelne Kanäle in CMYK- oder Multicolor-Profilen durch Sonderfarben ersetzt oder ergänzt werden. ColorAnt ist zudem ein Werkzeug zur Pflege von Sonderfarbenbibliotheken für spezifische Anwendungen, die für Proofing, Digitaldruck, als Referenz für die Qualitätskontrolle oder für die Berechnung von Multicolor-Profilen zur Verfügung gestellt werden können. Bei der Verwendung einer festen Farbpalette im Digital- oder Flexodruck können komplette CxF-Farbbibliotheken in ColorAnt für den Druck optimiert werden. Dies beinhaltet die messtechnische Optimierung und die Verwendung von maximal drei Farbkanälen. Für die Linearisierung oder Kalibrierung von Drucksystemen berechnet und exportiert ColorAnt Kompensationskurven, die direkt in das RIP geladen werden können. Diese ermöglichen die Anpassung von Druckprozessen an Spezifikationen wie G7 oder TVI-Werte. Der Import, die Optimierung, die Bearbeitung und die Ausgabe von Spektraldaten in ColorAnt erfolgen konsequent mit offenen standardisierten Dateiformaten. Reproanstalten und Druckereien können somit sicher sein, dass sie ihre Spektraldaten in allen Programmen, einschließlich denen von Wettbewerbern wie Esko oder GMG, verwenden können.
CoPrA
CoPrA steht für Color Profiling Application und wird zur Generierung oder Bearbeitung von ICC-Profilen aus Messdaten verwendet. Dank ColorAnt können Messdaten von einer einzelnen gedruckten Messtafel oder aus einer Kombination einer gedruckten Testtafel und spektralen Sonderfarben-Bibliotheken stammen. Dies ermöglicht eine effiziente Integration wechselnder Sonderfarben in das Farbmanagement, insbesondere im Verpackungsdruck. ICC-DeviceLink-Profile repräsentieren eine vollständige Farbtransformation von einer Quelle zu einem Ziel und sind für hochwertige Farbtransformationen in der Druckproduktion erforderlich. Beispielsweise bei der Konvertierung von Druckdaten von einem Industriestandard wie Fogra39/ISOcoatedv2 zu einem hausinternen Standard oder bei der Prüfung eines hausinternen Standards auf einem spezifischen Proofmedium. CoPrA ermöglicht die Optimierung solcher ICC-DeviceLink-Profile durch iterative Farbmessungen oder Bearbeitung via Photoshop für spezielle Anwendungen. Da CoPrA konsequent auf den ICC-Standard setzt, können Geräte- und DeviceLink-Profile direkt in allen ICC-kompatiblen Anwendungsprogrammen (z.B. Adobe CC oder PACKZ und CLOUDFLOW von HYBRID Software) verwendet werden. Seit Januar 2023 hat PACKZ seine Unterstützung für Mehrfarbenprofile erweitert, wodurch Anpassungen direkt im Editor vorgenommen werden können, wie beispielsweise die Anpassung von Druckdaten an einen CMYK+X-Kanaldruck. Dank des ICC-Standards sind keine zusätzlichen Programme erforderlich.
ZePrA
ZePrA ist der PDF ColorServer von ColorLogic. Die Software kann sowohl als Standalone-Lösung über Hot Folders als auch integriert in automatisierte Workflows betrieben werden, beispielsweise durch CLI-Skripte (Command Line Interface) oder JSON in selbstprogrammierte Druckplattformen oder Enfocus Switch. Mit der Veröffentlichung von Version 11 im Mai 2023 kann es eine integrierte Lösung mit CLOUDFLOW unter Verwendung des Colorspace Moduls bilden. ZePrA bietet eine breite Palette von Werkzeugen zur Automatisierung spezieller Aufgaben. Dazu gehören die Integration optimierter Sonderfarben-Bibliotheken für spezielle Anwendungen, Farbmanagement mit On-the-fly-Berechnung von DeviceLink-Farbprofilen, Minimierung der verwendeten Farbkanäle beim Druck mit CMYK+X-Farben oder Optimierung des Farbverbrauchs.
Darüber hinaus kann ZePrA zur Konfiguration von Proofing-Workflows verwendet werden, bei denen Kontrollstreifen automatisch platziert werden, die auch die Sonderfarben des jeweiligen Druckauftrags enthalten können. PantoneLive ist als Option verfügbar, und für digitale Drucksysteme kann bei Bedarf eine Kalibrierung gemäß G7 oder ISO 20654 durch ZePrA durchgeführt werden.
“Die Integration der High-End-Farbmanagement-Technologie von ColorLogic in unsere Lösungen ist ein reibungsloser Prozess, da beide Unternehmen offene Datenformate wie PDF, ICC und CxF in ihrer DNA haben. Kunden, die bereits die neuen Produkte verwenden, sind sehr begeistert von der Qualität und Produktivität, die sie in ihre Prozesse bringen.” – Joris Verbouwe, Produktmanager, Farbtechnologie HYBRID Software
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PACKZ in Verbindung mit ColorAnt und CoPrA
PACKZ analysiert, bearbeitet und bereitet PDF-Druckdaten vor. In Verbindung mit ColorAnt und CoPrA können komplexe Farboptimierungen schnell in PACKZ vorgenommen werden. Dies ermöglicht es, CMYK-PDF-Daten in wenigen Schritten so zu optimieren, dass der Farbeindruck bestmöglich erhalten bleibt, selbst wenn mit Rot anstelle von Magenta gedruckt wird. Um dies zu erreichen, werden zunächst die CMYK-Messdaten des Farbprofils in ColorAnt durch Rot anstelle von Magenta ersetzt. Anschließend berechnet CoPrA ein DeviceLink-Profil, das die Konvertierung von CMYK zu CYK+Rot beschreibt und wichtige Vorgaben einhält, wie beispielsweise sicherzustellen, dass reine Schwarztöne rein bleiben und nicht mehrfarbig werden, wie es bei ICC-Farbtransformationen typischerweise der Fall ist. Mit diesem CoPrA-DeviceLink-Profil kann nun die gesamte PDF-Datei in einem Durchgang in PACKZ zu CYK+Rot konvertiert werden. Eine weitere Option ist die Optimierung vollständiger CxF-Sonderfarben-Bibliotheken in ColorAnt für ein gegebenes Ausgabeprofil (CMYK oder Mehrfarben). Die optimierte Sonderfarben-Bibliothek verwendet maximal drei Ausgabekanäle für jede Farbe und vermeidet Farbwerte wie 0 – 3% in einem einzelnen Kanal. Die optimierte Sonderfarben-Bibliothek kann im CxF-Format an PACKZ übertragen werden und steht dann als Farbbuch zur Verfügung.
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CLOUDFLOW in Verbindung mit ColorAnt und ZePrA
CLOUDFLOW beinhaltet einen RIP zur Konvertierung von PDF-Daten in Rasterdaten für die Erstellung von Druckplatten oder zur Steuerung digitaler Drucksysteme. Darüber hinaus ist es eine Automatisierungsplattform, die Kalkulationsdaten aus MIS-Systemen importieren kann, um den RIP für die Druckformenerstellung automatisch zu konfigurieren. ColorAnt kann in Verbindung mit CLOUDFLOW verwendet werden, um Kalibrierungskurven für flexografische oder digitale Druckprozesse gemäß Industriestandards wie G7 oder ISO 20654 zu erstellen. In diesem Fall wird zunächst ein integriertes Testformular für RIP-Kalibrierungskurven und Profilierungsdiagramme berechnet. Die Kalibrierungsdatei für den RIP wird zuerst innerhalb von ColorAnt berechnet. Anschließend werden die Messdaten des Profilierungsdiagramms optimiert, um den Druck einschließlich der RIP-Kalibrierungskurve darzustellen. Wenn im Flexo- oder Digitaldruck eine feste Farbpalette verwendet wird, können Datenprüfung und -optimierung in CLOUDFLOW automatisiert und dynamisch mittels des CLOUDFLOW Colorspace Moduls für bestmögliche Farbtransformationen gesteuert werden. Dies beinhaltet eine automatische Analyse (mit Soft Proofing und Freigabe), um zu ermitteln, ob Aufträge mit der festen Farbpalette unter Verwendung möglichst weniger Farben gedruckt werden können.
Schlussfolgerung
Der Markt für Prepress-Workflows, Proofing und Farbmanagement im Verpackungsdruck ist äußerst wettbewerbsintensiv. Die Danaher Group ist in Partnerschaft mit Esko, X-Rite und Pantone im Bereich Farbe im Verpackungsdruck sehr stark. GMG ist führend im Bereich Proofing im Verpackungsdruck und ebenfalls stark im Bereich PDF-Farbserver präsent. HYBRID Software und ColorLogic unterscheiden sich von Esko, X-Rite und Pantone durch die Unterstützung einer signifikant breiteren Palette von Messgeräten und die konsequente Unterstützung offener Standards, insbesondere für Sonderfarben.
Bei Bedarf kann jedoch auch das gesamte Spektrum an X-Rite Messgeräten oder PantoneLive verwendet werden. Derzeit gibt es im Portfolio von HYBRID Software / ColorLogic kein Äquivalent zu X-Rite ColorCert für die Qualitätskontrolle und Farbkommunikation mit Markeninhabern. Dies kann jedoch durch den Einsatz von Drittlösungen wie MeasureColor oder Flexicon Inkpilot und anderen realisiert werden.
Mit der Optimierung von Proof-DeviceLink-Profilen in CoPrA, einschließlich Multicolor-Unterstützung und der Handhabung von Kontrollstreifen für auftragsspezifische Sonderfarben in ZePrA, ist hochwertiges digitales Proofing für spezielle Anwendungen möglich. Eine vollständige Integration in Epson-Drucker, einschließlich der Nutzung von Epson-Inline-Messgeräten und vorkonfigurierten Proofing-Medien, ist jedoch nicht verfügbar. Für Standard-Proofing im Verpackungsdruck sind HYBRID Software/ColorLogic keine Alternative zu GMG. Spezifische Aufgaben, wie die Anpassung digitaler Drucksysteme an den Flexodruck und optionale Proofausgabe im Digitaldruck, können mit HYBRID Software/ColorLogic effektiv bewältigt werden. Technologisch konkurrieren HYBRID Software/ColorLogic nun in derselben Liga wie Esko/X-Rite/Pantone und GMG.
Es bleibt abzuwarten, wie schnell dies auch in Beratung und Dienstleistungen für große Markeninhaber, Repro-Unternehmen und Druckereien umgesetzt werden kann. Die Stärken der HYBRID Software/ColorLogic Lösungen werden in Druckereien und Repro-Unternehmen gesehen, die sowohl analoge als auch digitale Ausgaben produzieren, Wert auf offene Standards für Farbprofile und Sonderfarben legen und über gute interne Expertise in Farbmanagement, Standardisierung und Automatisierung verfügen.
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